Mainz

Na, dieses Jahr war mein Osterfest vielleicht anstrengend, kann ich euch sagen! Wo wir Bären es doch am liebsten gemütlich haben und gern mal vom Winterschlaf direkt in die Frühjahrsmüdigkeit wechseln. Aber, nichts da, mein Menschenpapa hatte andere Pläne. Vor ein paar Wochen fing es damit an, dass er immer wieder von irgendwelchen längst verblichenen Kaisern sprach. Das kam mir schon spanisch oder vielmehr mittelalterlich vor. Allzu lange hat er sich jedoch nicht damit aufgehalten, von den ollen Oberchefs zu reden. Bald stand sein Plan fest.

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„Grizzly“ begann er. Mir war gleich klar, da kommt was auf mich zu. Immer, wenn er mich mit Namen anspricht, ist es ihm ernst. „Grizzly, wir besuchen über Ostern die drei berühmten romanischen Kaiserdome am Rhein.“ Au weia, das war es mit der Gemütlichkeit!

Ja und so gab es dieses Jahr eine Osterreise. Los ging es in Mainz, der alten kurfürstlichen Residenzstadt. Zu allererst haben wir das Gutenbergmuseum besucht. Wer der Herr war, muss ich euch ja nicht erklären. Nicht wenige Menschen und Bären erachten seine Erfindung als die bedeutendste der letzten 1000 Jahre. Nur ein Beispiel: Ohne den Buchdruck wären die Ideen des kleinen Mönchs aus der mitteldeutschen Provinz, Martin Luther, doch niemals verbreitet worden.

Selbstverständlich haben wir auch die beiden Gutenberg-Bibeln bestaunt. Wow, da steckt Geschichte drin! Nur darf man sie nicht fotografieren, aber ihr könnt verschiedene Exemplare virtuell durchblättern, die moderne Technik macht‘s möglich.

Danach ging es natürlich in den Dom. Stellt euch vor, der ist 1000 Jahre alt. Zumindest die Mauern. An den Türmen, dem Dach, den Kapellen und auch sonst wurde in den Jahrhunderten immer wieder repariert, ersetzt oder Neues hinzugefügt. Irgendwie hat dieser Dom auch nicht so richtig viel Glück gehabt. Das erste Mal ist er schon abgebrannt, da war er noch nicht mal geweiht. Am Vorabend der geplanten Domweihe im Jahr 1009 war das. Auch später hat es immer mal wieder gebrannt. Und wenn nicht, dann haben sich die Menschen an ihm zu schaffen gemacht. Die Franzosen haben ihn während Napoleons Zeiten als Lazarett benutzt und dabei das meiste Inventar zum Heizen verbrannt. Und im Jahre 1857 hat sich laut Stadtchronisten ein Selbstmörder mit dem ganzen Mainzer Pulverturm in die Luft gesprengt, was den Dom um alle seine schönen Fenster gebracht hat. Dass eine Kirche so eine interessante Geschichte haben kann, hätte ich auch nicht gedacht.

Da Mainz im Mittelalter das bedeutendste Erzbistum nördlich der Alpen war, hat der ehrwürdige Bau auch einige Krönungen deutscher Könige gesehen, insgesamt vier an der Zahl. Nur leider fängt auch diese Geschichte mit einer eher tragischen Person an. Der erste hier gekrönte König war Rudolf von Rheinfelden. Er ist in die Geschichte als erster deutscher Gegenkönig eingegangen. Sein Counterpart war niemand Geringeres als König und Kaiser Heinrich IV. Ja, der mit dem Gang nach Canossa. Gegen Rudolf hat er sich schlussendlich durchgesetzt. Diesem wurde in der Schlacht bei Hohenmölsen die rechte, also die Schwurhand abgeschlagen, was damals als untrügliches Zeichen der göttlichen Bestrafung angesehen wurde. Auch wenn er an der Verletzung nicht verstorben wäre, das mit dem Königtum hätte sich für ihn damit ohnehin erledigt gehabt. Das hatte er nun davon, am falschen Ort gekrönt worden zu sein.

Neben dem Dom muss man in Mainz natürlich noch die Zitadelle besuchen. Eine wirklich gut erhaltene Festungsanlage, deren Beginn ins frühe 17. Jahrhundert datiert wurde. Als Festung wurde sie bis zum 1. Weltkrieg genutzt. Ziemlich einmalig ist, dass bis heute die kompletten Außenmauern erhalten sind. Bei der Besichtigung haben wir auch alte Gänge im Inneren der Festung besucht. Diese sind so stabil und sicher gebaut, dass sie noch während des 2. Weltkriegs als Luftschutzbunker gedient haben.

Die Stadt haben wir uns selbstverständlich auch angeschaut. Auch da grüßte uns wieder der Herr Gutenberg. Einige liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert kann man ebenfalls finden.

Zwei Tage in Mainz waren insgesamt sehr interessant. War vielleicht doch keine so schlechte Idee von meinem Menschenpapa.

Euer ganz gefährlicher Grizzly

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