Deer Island

Zum Abschluss meiner Eindrücke aus Boston möchte ich euch noch Deer Island vorstellen.

Auch wenn der Name suggeriert, dass es sich um eine Insel handelt, Deer Island ist das schon lange nicht mehr. Im Jahre 1938 wurde der damals noch vorhandene Kanal durch einen Sturm mit Sand gefüllt und danach hat das United States Army Corps of Engineers die Straße errichtet. Seitdem ist die Insel also keine mehr.

 

 

Landschaftlich ähnelt Deer Island den anderen Inseln in der Bucht vor Boston. Es hat einen Hügel, der auf der einen Seite steil, auf der anderen jedoch länglich abfällt. Das Profil erinnert etwas an einen verkehrt herum abgelegten Löffel. Im Englischen nennt man diese Formen drumlines.

Die Insel selbst hat verschiedenen Zwecken gedient. Während der Indianerkriege im 17. Jahrhundert wurden von den englischen Siedlern Indianer aus der Umgebung hierhin deportiert. Deer Island war ein Freiluftgefängnis und viele der Deportierten starben auf der Insel, allein im Winter 1675-76 bis zu 1.100 Menschen.

 

 

In der Mitte des 19.Jahrhunderts wurde die Insel als Ankunftsstelle für die tausenden irischen Einwanderer genutzt, die vor der großen Hungerkatastrophe in ihrer Heimat nach Amerika flohen. Heute würde man das wahrscheinlich ein Erstaufnahmelager nennen. Da viele der Ankömmlinge krank und stark unterernährt waren, wurde 1847 ein Hospital für Einwanderer errichtet. 1850 erfolgte der Bau eines Armenhauses. Allerdings wurde dieses Gebäude ab 1896 wieder als Gefängnis genutzt und bestand als solches bis 1991.

 

Heute wird das Bild von Deer Island durch das große Abwasserreinigungswerk geprägt, welches die gesammelten Abwässer des größten Teils des Großraums Boston säubert. Hier leben immerhin über 4,5 Millionen Menschen, woraus sich auch die Größe der Anlage erklärt. Eine erste Kläranlage wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf der Insel errichtet und in den 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erheblich ausgebaut. Die heutige Anlage stammt aus den 90-er Jahren. Die Bostoner Region ist damit eines der wenigen Ballungszentren der Vereinigten Staaten, welches faktisch flächendeckend  über eine ökologisch auf modernstem Stand befindliche Abwasserreinigung verfügt.

 

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Eine besonders wichtige Rolle bei der Schaffung dieser Infrastruktur, vor allem aber wohl für die Bereitschaft der Menschen, ihre Umwelt als schützenswertes Gut anzusehen, spielte Richter A. David Mazzone. Er hat sowohl mit seinen Entscheidungen als Richter wie auch mit seinem Engagement für die Gesellschaft entscheidend die Errichtung des heutigen Abwasserreinigungssystems herbeigeführt. Dafür haben die Bostoner ihm auf Deer Island ein Denkmal gesetzt. Den Satz aus einem seiner Urteile „The law secures to the people the right to a clean harbor.” sollte man sich allerorten  vor Augen halten. Jeder hat ein Recht auf eine saubere Umwelt und damit auch die Pflicht, seinen Teil dazu beizutragen. Da bin ich als Bär schon schwer dafür!

 

Damit sage ich auf Wiedersehen zu Boston. Wir hatten eine tolle Zeit zusammen und vielleicht sieht man sich ja mal wieder.

Euer ganz gefährlicher Grizzly

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