CINQUE TERRE

So langsam lerne ich zählen. Auf italienisch!
Uno – das kenne ich vom Kartenspiel.
Due – wie Duett.
Tre – das klingt schon wie drei.
Quattro – rief uns gestern in Civitaveccia ein Mann zu, als er uns mitteilen wollte, von welchem Bahnsteig der Zug nach Rom abfahren würde. Und ich verstand, was er meinte, da ich schon mal AUDI-Werbung gesehen hatte.
Und heute also Cinque. Fünf. Fünf Dörfer entlang der Küste Liguriens, die sich in herrlicher Bergwelt wie zwischen Himmel und Erde an die Küstenhänge gequetscht haben, ergeben das UNESCO-Weltkulturerbe Cinque Terre. Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso heißen sie. Ganz schön schwere Namen für einen Bären!


Doch wie hinkommen? Meine Menschen wussten Rat. Der Shuttlebus brachte uns zum Infopunkt, von dort war es nicht weit bis zur Cattedrale di Cristo Rei, einer recht modernen Kirche. Ab da fuhr der Stadtbus und brachte uns zum Bahnhof. Na gut, erst einmal war ein Tabakladen vonnöten, denn ein Busticket im Bus kaufen? In Italien Fehlanzeige! Auf dem Bahnhof dann kauften sich meine Menschen eine Treno MS Card für die Zug- und Busfahrten im Nationalpark sowie die Wegbenutzung. Eine Art Wegezoll, hab ich mir gedacht – und mich mucksmäuschenstill in die kleine Bärentasche von meinem Papa gekuschelt. Hatte direkt Sorge, ich muss auch verzollt werden!

Und nun dauerte es gar nicht lange, schon begann die Zugfahrt. Dicht gedrängt standen die Touristen und staunten genau wie ich über das Wechselspiel von Tunnelabschnitten und herrlichen Ausblicken über die ligurische Küste. Im Ort Nummer vier, in Vernazza, stiegen wir aus. Schon begann ein Spaziergang etwas abwärts zum Meer.


Das absolute Highlight waren die tollen Faltungslinien des Küstengesteins. Hier, an der Grenze zwischen Apennin und Alpen, stößt die afrikanische Platte förmlich in die eurasische Platte hinein und der dabei entstehende Druck lässt die herrlichen Falten entstehen. Die Bewegung der Platten aufeinander zu beträgt aktuell wohl immer noch ca. 5 cm pro Jahr.
Im Anschluss sollte es hoch hinauf gehen. Auf dem Küstenweg wollten meine Menschen zum dritten Ort wandern, nach Corniglia. Küstenweg ist allerdings untertrieben. Gut festhalten sollte ich mich, und das war auch nötig. Erst ging es endlose Stufen nach oben, dann eröffnete sich uns ein fantastischer Blick über das Meer. So ein unglaubliches Blau!
Knapp zwei Stunden ging das dann so: Küstenweg, Meeresblick, Treppe hinauf, Olivenhain, Treppe hinunter, Kiefern, Weg, Olivenbäume, Steine, wieder das Meer. Immer dabei ein Duft von Nadelbäumen, sonnigen Hängen und ein wenig Salzwasser. Urlaub eben.


Der Einzug nach Corniglia offenbarte Bekanntes: einen Aufzug als Erntehilfe, wie wir ihn schon aus Österreich von den Weinbergen her kannten. Leider gibt es in den Cinque Terre gar nicht mehr so viele bewirtschaftete Weinberge, obwohl das eigentlich früher der Grund war, weshalb die Dörfer hier entstanden sind. Wahrscheinlich ist der Tourismus einträglicher.


Nach einem recht preisintensiven, dafür umso knapperen Nudelgericht als Mittagessen und einem Blick über die Mauern des hoch über dem Meer befindlichen Dörfchens brachte uns der Bus zum Bahnhof von Corniglia.
Ab ging dann die Fahrt mit dem Zug nach Monterosso, Dorf Nummer fünf von Süden nach Norden gezählt. Der schöne Sandstrand lud nicht nur viele zum Baden ein, sondern war auch eine perfekte Präsentationsfläche für die hiesigen Strandtuchverkäufer. Nach der Besichtigung der Pfarrkirche des Heiligen Johannes des Täufers war mir klar: es gibt nicht nur Zebrastreifen, sondern auch eine Zebrakirche.


Und nun standen wieder Treppen auf dem Plan: ganz hoch hinaus ging es und meine Menschen kamen recht ins Schnaufen. Das Kloster der Kapuziner und des heiligen Franziskus mit seinem ungewöhnlichen Friedhof war das Ziel. Auch eine hoch über der Stadt thronende Statue des Franziskus von Assisi durften wir bewundern.


Glücklich, nach gut 25.000 Menschenschritten um viele schöne Erlebnisse, Eindrücke und Ausblicke reicher und auch etwas geschafft, erreichten wir den Zug, der uns wieder zum Bahnhof nach La Spezia zurückfuhr. Das Spiel „Busticket im Tabakladen kaufen“ kannten meine Menschen dann schon und bald brachte uns erst der öffentliche Bus und danach der Hafenshuttle zu „Meinem Schiff“ zurück. Ach, da war ich froh. Denn auch für einen kleinen Bären, so gefährlich er auch sein mag, war das ein abenteuerlicher Tag. Ich bin ja so mühühühühüüüde …

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